Das MedTech-Startup AI:D (AI:Dental) hat am 2. Oktober 2026 für seine Software ClinicalAID die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt der Klasse IIa nach der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) erhalten. ClinicalAID unterstützt qualifizierte Zahnärzt:innen bei der Durchsicht von Röntgenaufnahmen und liefert KI-gestützte Hinweise, die von den behandelnden Fachpersonen geprüft, angenommen oder verworfen werden. AI:D mit Standorten in Bratislava und Wien arbeitet mit mehr als 20 Universitäten zusammen und ist Co-Worker im Coworking Hub der AI Factory Austria AI:AT in Wien-St. Marx.
KI-Unterstützung für den zahnmedizinischen Praxisalltag
Ob einzelne Zahnaufnahmen oder Panorama-Röntgenbilder des gesamten Gebisses: ClinicalAID unterstützt Zahnärzt:innen bei der Beurteilung von Röntgenaufnahmen. Die KI liefert eine zusätzliche Einschätzung und dient damit als zweite Sicht auf das Röntgenbild. Grundlage der Technologie sind nach Angaben des Unternehmens mehr als 3.700 annotierte Röntgenaufnahmen. Entwickelt wurde die Software unter einem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 13485. ClinicalAID lässt sich zudem in bestehende Praxisverwaltungssysteme einbinden und so in den Praxisalltag integrieren.
„Die Anforderungen der EU-Medizinprodukteverordnung sind gerade für ein agiles Startup eine große Herausforderung. Es geht nicht darum, wie schnell eine Technologie entwickelt wird, sondern darum, ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit nachzuweisen. Mit ClinicalAID haben wir diesen wichtigen Schritt geschafft. Uns ist dabei besonders wichtig, Zahnärzt:innen nicht nur eine KI-gestützte Software zur Verfügung zu stellen, sondern sie auch im Umgang damit zu schulen und im Praxisalltag zu unterstützen. Die medizinische Entscheidung bleibt immer bei den behandelnden Fachpersonen.“
Olga Shebanova, CEO, AI:D
Vom Lernen zum verantwortungsvollen KI-Einsatz
AI:D begleitet Zahnärzt:innen nach eigenen Angaben über das ganze Berufsleben, vom Studium bis in die Praxis. Mit der Lernplattform EduAID lesen Studierende echte Röntgenaufnahmen zunächst selbst und vergleichen ihre Einschätzung dann mit der von mehr als 50 Fachleuten. Mehr als 3.800 Lehr-Röntgenbilder und über 20 Millionen Einschätzungen von Expert:innen stehen dafür zur Verfügung. Erst danach sehen sie, wie ClinicalAID dasselbe Bild liest, und lernen, wann sie sich auf die KI verlassen können und wann sie ihr widersprechen sollten. Fälle aus der Praxis fließen wiederum als Lehrfälle in die Ausbildung zurück.
Für AI:D ist diese Ausbildung eine Frage der Patientensicherheit. Das Unternehmen setzt auf zertifizierte KI-Software mit klar definierten Einsatzbereichen und Grenzen sowie auf Zahnärzt:innen, die im verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie geschult sind. Für seinen Ansatz wurde AI:D 2024 mit dem Trustworthy AI Award ausgezeichnet.
KI-Kompetenzen als Grundlage für Vertrauen
Dieser Fokus auf Ausbildung und den verantwortungsvollen Einsatz von KI verbindet AI:D mit der AI Factory Austria AI:AT. Denn neben dem Zugang zu leistungsfähiger KI-Infrastruktur spielt auch der Aufbau von Wissen und Kompetenzen eine zentrale Rolle.
Das AI:AT Learning Center bietet dafür Trainings für Wirtschaft, öffentliche Verwaltung und Wissenschaft an. Das Themenspektrum reicht von Generativer KI und Machine Learning über Hochleistungsrechnen für KI bis hin zu Agentic AI und branchenspezifischen Anwendungen. Mehr als die Hälfte der Angebote sind praxisorientierte Hands-on-Formate, bei denen die Teilnehmer:innen das Gelernte direkt auf europäischer Hochleistungsrecheninfrastruktur anwenden können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Trustworthy AI, also vertrauenswürdiger KI. Die gleichnamige Trainingsreihe behandelt neben technischen Grundlagen auch rechtliche und ethische Fragen sowie die praktische Umsetzung des AI Act. Ein zentrales Thema ist dabei die menschliche Aufsicht über KI-Systeme: Menschen sollen KI-gestützte Ergebnisse kritisch beurteilen und die Kontrolle über Entscheidungen behalten. Dieses Prinzip verfolgt auch AI:D mit seiner Kombination aus KI-gestützter Software und gezielter Ausbildung.
„Innovation braucht Menschen, die sie kompetent anwenden. AI:D zeigt das im besten Sinn: Wer KI im medizinischen Alltag einsetzt, muss verstehen, wie sie arbeitet und wo ihre Grenzen liegen. Genau dieses Wissen bringen wir mit dem AI:AT Learning Center aus unserem Konsortium in die Praxis.“
Karl Kugler, Co-Lead, AI Factory Austria AI:AT
„Europa hat mit dem AI Act einen Rahmen für den vertrauenswürdigen Einsatz von KI geschaffen. Die AI Factories unterstützen dabei, diese Grundsätze in die Praxis zu übertragen, mit Rechenleistung, Fachwissen und gezielter Unterstützung. ClinicalAID ist ein konkretes Beispiel dafür, wie verantwortungsvolle KI im sensiblen Bereich der Medizin aussehen kann: mit zertifizierter Software, klar definierten Einsatzgrenzen und medizinischen Entscheidungen, die weiterhin bei den behandelnden Fachpersonen liegen. Solche Anwendungen sind entscheidend, um Vertrauen in KI aus Europa zu schaffen.“
Markus Stöhr, Co-Lead, AI Factory Austria AI:AT
Menschlichkeit zurück in die Medizin
Langfristig will AI:D den Blick über die Zahnmedizin hinaus weiten. Die Vision des Unternehmens ist eine Medizin, die den ganzen Menschen sieht: KI soll Ärzt:innen künftig helfen, Zusammenhänge zwischen Fachrichtungen wie Kardiologie, Neurologie, Onkologie und Diabetologie zu erkennen, die allein schwer zu sehen sind.
Für das junge Team war die Zertifizierung der große Meilenstein des Jahres, für Gründerin und CEO Olga Shebanova auch ein persönlicher. Die ausgebildete Juristin kam über ihre humanitäre Arbeit, unter anderem für die Vereinten Nationen, in die Gesundheitstechnologie und gründete ihr erstes eigenes Health-Tech-Startup, dessen geplanter Markteintritt durch die Coronapandemie erschwert wurde. 2023 übernahm sie die Leitung von AI:D. Drei Jahre später ist ClinicalAID ein zertifiziertes Medizinprodukt. Hinter ihrem beruflichen Weg steht eine Überzeugung, die auch AI:D prägt: Technologie soll die Menschlichkeit in die Medizin zurückbringen und dafür sorgen, dass Patient:innen und nicht Bildschirme im Mittelpunkt stehen.
Über AI:D
AI:Dental (AI:D) ist ein europäisches MedTech-Unternehmen mit Sitz in Bratislava und Wien, das die Menschlichkeit in die Medizin zurückbringen will. Seine Plattform begleitet Zahnärzt:innen durch ihr ganzes Berufsleben. EduAID schult Studierende und Praktiker:innen im Lesen von Röntgenaufnahmen, mit über 20 Millionen Einschätzungen von Expert:innen als Vergleich. ClinicalAID, eine CE-gekennzeichnete Medizinprodukte-Software (Klasse IIa, EU-MDR), unterstützt qualifizierte Zahnärzt:innen bei der Durchsicht von zweidimensionalen Röntgenaufnahmen; die Entscheidung trifft immer die Zahnärztin oder der Zahnarzt. AI:D arbeitet mit mehr als 20 Universitäten zusammen, seine Software lässt sich in Praxisverwaltungssysteme einbinden, und 2024 wurde das Unternehmen mit dem Trustworthy AI Award ausgezeichnet. Die langfristige Vision ist eine Medizin, die den ganzen Menschen sieht.
Weitere Informationen: www.aidental.ai
Über die AI Factory Austria AI:AT
Die AI Factory Austria AI:AT ist Österreichs nationale AI Factory im Rahmen des EuroHPC Joint Undertaking. Sie wird gemeinsam vom AIT Austrian Institute of Technology und Advanced Computing Austria (ACA) geleitet und durch ein österreichweites Konsortium umgesetzt.
Die Partner im Konsortium sind: TU Wien, Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Universität Innsbruck, TU Graz, Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Institute of Science and Technology Austria (ISTA), die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), INiTS, Vienna's High-Tech Incubator, sowie EODC, Earth Observation Data Centre for Water Resources Monitoring GmbH.
AI:AT kombiniert KI-optimierte Hochleistungsinfrastruktur mit einem physischen Hub und unterstützt Organisationen aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und angewandter Forschung als marktneutraler, unabhängiger Zugangspunkt entlang der KI-Reise, vom ersten Use Case bis zur praktischen Umsetzung.
Weitere Informationen: www.ai-at.eu
Funding Acknowledgement
Die AI Factory Austria AI:AT wird durch das European High-Performance Computing Joint Undertaking (JU) im Rahmen des Fördervertrags Nr. 101253078 kofinanziert. Das Joint Undertaking wird unterstützt durch das Horizon-Europe-Programm der Europäischen Union sowie Österreich (BMIMI/FFG).